Fintech in München

Das wirtschaftlich starke München ist als Versicherungsstandort bekannt – und wird die spannendsten Disruptionen wohl noch erleben.

Die Besonderheit von München

Trotz bekannter Beispiele wie Fidor Bank oder Wirecard, ist München nicht unbedingt die Stadt, die beim Thema Fintech als erstes in den Kopf kommt. Sie ist wirtschaftlich stark und als Hauptstadt Bayerns natürlich bedeutsam. Doch allein die Lebenshaltungskosten verhindern, dass häufig Innovationen grassrootartig entstehen können. Wer hier als Gründer erfolgreich sein will, braucht schnell Finanzierung.

Glücklicherweise sitzt in München genug Geld. Gut finanzierte Start-ups wie Payworks, Fintec Systems oder Scalable Capital haben entsprechend in der Bayern-Metropole ihre Zentrale. Auf privatwirtschaftlicher Ebene haben Fintech-Unternehmen viele spannende Chancen: So gibt es hier etwa den Allianz Digital Accelerator, angeführt von einem früheren Manager von Rocket Internet, der auf Insurtech spezialisiert ist. Und im Tech-Accelerator Techfounders der TU München, der zum Beispiel mit der Hypovereinsbank kooperiert, sind auch Fintech- und Insurtech-Gründer angesprochen.

Eine öffentliche Wirtschaftsförderung speziell für Fintech gibt es hingegen nicht, dafür eine gründerfreundliche Politik: Dass eine Politikerin wie Ilse Aigner bei Fintech-Veranstaltungen spricht, wäre so in anderen Städten nicht unbedingt denkbar.

Im Zuge der Brexit-Abstimmung warb die Initiative Finanzplatz München damit, dass die Stadt alles habe, „was die Branche und ihre hochqualifizierten Beschäftigten erwarten“ und erwähnte neben Start-ups und Marktkapitalisierung auch die hohe Dichte an Dax-Konzernen, die gute Infrastruktur durch den Münchener Flughafen, eine hochqualitiative Ausbildung – und nicht zuletzt attraktive Landschaft mit hohem Erholungsfaktor.

Natur mitten in der Stadt: München gilt als lebenswert. Foto: J. Heribert Pohl (Lizenz: CC BY-SA 2.0)
Kann das grüne München künftig mehr Fintechs locken? Foto: J. Heribert Pohl (Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Fintech in München – nicht ohne Insurtech

München gilt als besonders stark im klassischen Versicherungsbereich, zum Beispiel mit Allianz oder Munich Re. Der Branche stehen anders als dem Bankenwesen die größten Umwerfungen sicherlich noch bevor, aber Insurtech ist schon jetzt ein immer bedeutsamerer Teil von Fintech. Die lokalen Versicherungsriesen sind auch sehr stark im Bereich der privatwirtschaftlichen Förderung – siehe Allianz Digital Accelerator – oder bei Experimenten etwa zum Thema Blockchain.

Apropos Blockchain: München fällt tatsächlich durch einen ungewöhnlichen Themenmix auf, schön illustriert durch einige Schlagzeilen aus dem Jahr 2016: Im Coworking Space Werk1 hat ein neuer Accelerator für Insurtech geöffnet. Das Start-up Scalable Capital expandiert von München aus erst nach Österreich und dann nach England. Oder auch: Software-Riese IBM baut in München ein Blockchain-Labor auf, in dem 1.000 Köpfe über Anwendungsszenarien für die Technologie brüten sollen.

Unternehmen aus der Stadt sind divers und lassen sich halt nicht so schnell über einen Kamm scheren. Hinzu kommen die unterschiedlichsten Networking-Gelegenheiten vom Fintech Munich Meetup über Insurtech-Events bis hin zu Digitalevents wie dem international bekannten DLD oder der Bits & Pretzels. Und nicht zuletzt – das soll nicht unerwähnt bleiben – hat München natürlich unabhängig von Branche und Beruf sein berühmtes jährliches Oktoberfest.

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