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Die Millionendeals der Insurtechs

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    Der gebürtige Berliner studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Berlin, Heidelberg und Barcelona, bevor er im Staatsrecht an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg promovierte. In den letzten Jahren war er in verschiedenen Management- und Vorstandspositionen mit den Schwerpunkten Vertrieb, Komposit und Digital tätig. Von 2016 bis 2019 baute Dr. Finkelnburg an der Frankfurter Goethe Business School als Akademischer Direktor den Bereich Versicherungen mit Schwerpunkt Digitalisierung auf. Seit 2019 ist er Mitglied des Vorstandes der BGV-Versicherung AG.

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Und jetzt ihr:

Kennt ihr bereits Deutschlands größte und vielseitigste Fintech-Veranstaltung? Die Fintech Week veranstalten wir das nächste Mal vom 26.–30. September 2022.

Man traut seinen Augen kaum: Schon wieder hat einer der Big-5-Insurtechs einen Millionendeal abgeschlossen. Waren es zu Beginn Knip, Clark, dann Getsafe und FinanceFox (heute wefox), so ist es nun simplesurance, die – zum wiederholten Mal – mit einer Millionen-Series auf sich aufmerksam machen. Ihre Kapitalisierung beträgt inzwischen etwa 30 Millionen Euro und neben dem Hauptkapitalgeber Allianz ist es nun sogar der japanische Shopping-Mall-Konzern Rakuten, der massiv investiert.

Was sagt uns dies?

Zum einen fragt man sich unwillkürlich, was denn eigentlich der Stand der Dinge bei allen übrigen Insurtechs ist. Gibt es sie noch? Vor einem Jahr eroberten sie die Szene im Sturm. Getsurance, Haftpflichthelden, massup, allesmeins.de, mylucy, asuro, feelix oder policygenius waren die Hippster der digitalen Versicherungswelt, ein Versprechen auf die Zukunft – und die Hoffnung auf Frische, Transparenz und Disruption.

Ist deren Traum schon vorbei und werden nur die „Big 5“ überleben? Sicherlich – und hoffentlich – ist es zu früh, das zu sagen. Aber es wird deutlich, dass sich die großen Insurtechs durch ihre extrem hohe Kapitalisierung in einer anderen Umlaufbahn bewegen, wie sie andere Partner finden und andere Entwicklungsmöglichkeiten besitzen.

Währenddessen stehen die anderen deutschen Insurtechs unter Handlungsdruck: Ihr Geschäftsmodell – Anbieten einer appetitlichen App mit digitalem Versicherungsordner und gut aufbereitetem Wechselangebot – ist zum Überleben zu wenig. Dafür sind die Akquisitionskosten pro Kunde einfach zu groß. Lässt man einmal die Insurtech-Apps der großen Maklerpools beiseite, stellt sich für alle anderen die Frage: Was ist mein USP? Meine Überlebensstrategie? Gibt es besondere Marktzugänge? Besondere Zielgruppen? Technik? Service? Und: Wer könnten die Partner sein, die ein innovatives, spannendes kleines Insurtech in eine neue Entwicklungsphase begleiten? Die Assekuranz braucht Disruption und Innovation. Erstickt man die kleinen Start-ups und konzentriert sich auf die „Jumbos“, wird dieser Effekt nur teilweise eintreten.

Beeindruckende Wege

Sind die Jumbos überhaupt in der Lage, die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen? Ihr bisheriger Weg ist beeindruckend und konsequent. Aber der Druck ist hoch. Sie sind, dies ist leicht zu erkennen, zunehmend B2B-orientiert und leben Artificial Intelligence in einer nahezu perfekten Form aus. Dies ist sicherlich auch der Hauptgrund ihrer Attraktivität für Investoren: technische Innovation, maximale Verknüpfung von Daten und Nutzung der gewonnenen Erkenntnisse für Produktgestaltung und Kundenbindung. Die tatsächlich erreichten Ergebnisse dürften dabei fast in den Hintergrund treten. Last but not least spielt sicherlich auch die Manifestation eines Wettbewerbsvorteils eine Rolle.

finletter-Autor Moritz Finkelnburg schreibt über Insuretech
Moritz Finkelnburg schreibt auf finletter über Insurtech

Angesichts dieser Entwicklungen ist es bemerkenswert, dass immer mehr Insurtech-Versicherer auf den Markt drängen. Waren es zu Beginn des Jahres noch die „alten Bekannten“ ottonova, nexible und Flypper, sind inzwischen noch Friday und der Finleap-Sprössling Element dazugekommen. Und weitere Lizenzen sind bei der BaFin beantragt. Es wird interessant sein zu beobachten, ob diese Unternehmen sich eigenständig und selbstbewusst am Markt positionieren werden, oder – was durchaus verständlich wäre – nur dazu dienen, die spätere Digitalisierung ihrer Mutterkonzerne vorzubereiten und zu vereinfachen.

Was bleibt, ist die Hoffnung auf fortschreitende Veränderung der Versicherungslandschaft – und auf die Vielfalt an innovativen Playern in der Insurtech-Szene, die es dafür benötigt. Hoffen wir, dass sie die Unterstützung finden, die sie dafür brauchen.

Autor:in

  • Moritz Finkelnburg

    Der gebürtige Berliner studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Berlin, Heidelberg und Barcelona, bevor er im Staatsrecht an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg promovierte. In den letzten Jahren war er in verschiedenen Management- und Vorstandspositionen mit den Schwerpunkten Vertrieb, Komposit und Digital tätig. Von 2016 bis 2019 baute Dr. Finkelnburg an der Frankfurter Goethe Business School als Akademischer Direktor den Bereich Versicherungen mit Schwerpunkt Digitalisierung auf. Seit 2019 ist er Mitglied des Vorstandes der BGV-Versicherung AG.

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