finletter Hintergrundgrafik

finletter 377 – Metaverse, Top-Marke Paypal, Echtzeitüberweisung

Die Fintech-News der Woche kostenfrei per E-Mail – mit dem unabhängigen journalistischen Newsletter von finletter seid ihr immer auf dem neuesten Stand.

Beitrag teilen

  • Martin Pieck

    Martin Pieck ist freier Technikjournalist mit einem früheren Leben als Bankkaufmann. Er begeistert sich vor allem für Gamification und die daraus entstehenden Möglichkeiten.

Mehr vom finletter-Team

Und jetzt ihr:

Kennt ihr bereits Deutschlands größte und vielseitigste Fintech-Veranstaltung? Die Fintech Week veranstalten wir das nächste Mal vom 26.–30. September 2022.

Die Metaverse-Skepsis

Das Metaverse ist je nach Betrachtungsweise das alles bestimmende Medium der Zukunft oder ein unnötig gehypter Rohrkrepierer. Zwischen diesen beiden Extremen existieren freilich verschiedenste Graustufen. Sicher ist beim Metaverse derzeit eigentlich nur, dass nichts sicher ist. So gehen die Meinungen darüber, welche Rolle das Metaverse im Speziellen auch im Finanzsektor spielen wird, weit auseinander. Besonders deutlich wurde das durch einige veröffentlichte Artikel der vergangenen Woche.

So nimmt die „DZ Bank“ das Metaverse nach einem im Sommer durch 27 Partner durchgeführten Trend LAB durchaus ernst. Dort will man aber lieber von Metaverse-Anwendungen sprechen als von einem generellen Metaverse, schließlich sei heute ein zusammenhängendes und interoperables Metaverse weder existent noch erkennbar. Zudem seien die Möglichkeiten des Metaverse bislang eher ernüchternd und wenig attraktiv. Trotz dieser niederschmetternden Erkenntnis hält die DZ Bank eine Beschäftigung mit dem Metaverse dennoch für sinnvoll, immerhin hielten einige Fachleute das Metaverse für die nächste Evolutionsstufe des Internets.

Aller Anfang ist ungewiss

Derzeit scheint das Metaverse im Finanzsektor eher einer Art Grundlagenforschung unterzogen, bei der die sinnvollen Anwendungen erst noch gefunden werden müssen. Der Artikel im „Bank-Blog” ergänzt die Metaverse-Definition, dass es im Gegensatz zum derzeitigen Internet ein Gefühl der physischen Präsenz erzeugen soll. Derzeit am besten nachvollziehbar sei das, wie so oft, in der Gaming-Branche. Als Beispiele dienen Konzerte von Popstars in Online-Spielen. Genauso werden aber Stolpersteine für solch aufkeimende Technologien genannt. So sei es ausgerechnet Meta, bzw. damals noch Facebook gewesen, das mit seinem Social-Media-Angebot den Todesstoß für die Online-Erfahrung Second Life gesetzt habe. Zudem sei es gerade für Banken sehr schwierig, das Metaverse für sich zu nutzen, da es für Banking im Grunde gerade dort keine Banken brauche. Und selbst wenn, sei eine Bank-Beratung im Metaverse kaum gehaltvoller als ein gutes Video-Telefonat. Das Metaverse hingegen sei wohl eher ein Ort für vergnügliche Anlässe – was die wenigsten Kunden von ihren Finanzdienstleistungen sagen dürften.

Erwartungs-Handlungs-Schere

Das unterstreicht zudem ein Artikel auf „Cash”, nachdem jedes zweite deutsche Unternehmen nach einer Bitkom-Umfrage erklärt, keine Investition in virtuelle Welten anzustreben. Demgegenüber sagten aber knapp 60 Prozent in der gleichen Umfrage, dass sie dem Metaverse durchaus disruptives Potenzial bescheinigen würden.

In Deutschland herrscht ohnehin eine gesonderte Situation, was das Metaverse betrifft. Immerhin seien nach einem Streit mit dem Bundeskartellamt die VR-Brillen des Platzhirsches Meta in Deutschland gar nicht erhältlich -ein Umstand, der die Hürden für einen sinnvollen Einstieg hierzulande noch höher schraubt. Ob sich daran noch einmal etwas ändert, ist ungewisser denn je. Wie „BTC-Echo” mutmaßt, könnte das Metaverse-Projekt des Zuckerberg-Konzerns nämlich möglicherweise vor dem Aus stehen. Nach besorgniserregenden Quartalszahlen war zuletzt die Meta-Aktie abgestürzt. Den wegbrechenden Einnahmen stehen gerade mit den Projekten rund um das Metaverse immense Kosten gegenüber. „Geniestreich oder Hirngespinst?”, so bringt es der Artikel auf den Punkt. Denn, das ist den meisten Kommentatoren gemein: noch ist der wahre Nutzen besonders für Finanzdienstleister nicht zu erkennen. Doch ging es den meisten disruptiven Technologien zunächst so. Das Metaverse ist also noch nicht abgeschrieben – auch nicht für Fintechs.

Abschließend kommentierte dann auch der Autor des englischsprachigen „Finextra”-Artikels, dass das Metaverse das Potential besitzt, die Art, wie Banken mit Kunden in einem virtuellen Raum in Kontakt treten, zu revolutionieren.

innovationlab.dzbank.de, der-bank-blog.de, cash.ch, btc-echo.de, finextra.com


Anzeige

Handelsblatt Werbung im finletter
Bei der Handelsblatt Tagung BankenTech diskutieren wir mit führenden Entscheider:innen aus Banken, Tech und Wissenschaft, wie die Transformation der IT für mehr Agilität und Resilienz gelingen kann, und welche Lösungen es bereits gibt.


– Fintech-News Deutschland –

Paypal ist Marke des Jahres: Eine außergewöhnliche Ehrung für ein Fintech: Bei der diesjährigen Wahl zur Marke des Jahres kam Paypal ganz oben auf das Treppchen. Während der Pandemie konnte das US-Fintech nach eigener Aussage 120 Millionen Kunden gewinnen und viele auch nach Öffnung der Geschäfte halten. Alleine in Deutschland habe man angeblich rund 32 Millionen aktive Benutzerkonten. Laut Yougov werden dabei Zahlungsanbieter im Vergleich zur Rechnungszahlung zusehends beliebter – und Paypal würde überproportional profitieren, da die Marke bereits einen hohen Bekanntheitsgrad habe. Offensichtlich ist das der optimale Zeitpunkt für Paypal, mit Tap to Pay eine neue Funktion zum bargeldlosen Bezahlen einzuführen. handelsblatt.com, it-finanzmagazin.de

Greenwashing-Vorwürfe gegen DWS: Die DWS, die Fonds-Tochter der Deutschen Bank, soll mit irreführender Werbung getäuscht haben. So zumindest lautet der Vorwurf der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, die deshalb nun vor Gericht zieht. Konkret geht es darum, dass die DWS in einem Flyer für den DWS Invest ESG Climate Tech damit wirbt, dass Anleger zu „null Prozent“ in Kohle- und Rüstungsunternehmen investieren würde. Dabei könne dies nicht garantiert werden. Die Klage scheint dabei stellvertretend für eine den Klägern nach gängige Praxis bei Finanzprodukten zu sein. Die DWS selbst weist die Vorwürfe nach Prüfung zurück. Im März nächsten Jahres soll es zur Verhandlung kommen. procotra-online.de

Neues Tool gegen Betrug: Das Fintech Go Cardless will mit seinem neuem Payment-Intelligence-Tool Go Cardless Protect+ dafür Sorge tragen, dass weniger Schaden durch Betrug entsteht. Hierfür will es Daten aus dem eigenen Zahlungs-Netzwerk mittels maschinellem Lernen auswerten. Das neue Tool soll zum einen Betrug verringern, ohne aber auf der anderen Seite durch komplexe Abläufe unzufriedene Kunden zu Abbrüchen zu bewegen. it-finanzmagazin.de

Auch wichtig:

+++ Tomorrow will neues Geld von der Crowd: Bereits zum dritten Mal bittet das nachhaltige Fintech um finanzielle Unterstützung. Hintergründe liefert unserer Schwestermedium, das zebramagazin.de +++ Auf Folz folgt Höltkemeyer: Solaris hat einen neuen CEO. Am 1. November beginnt eine halbjährige Übergangszeit, Ende April will der aktuelle CEO Folz seinen CEO-Posten räumen. Der neue, Carsten Höltkemeyer saß bisher dem Auxmoney-Aufsichtsrat vor. +++ Neue VR-Banking-App: Mit der neuen Anwendung wollen Volksbanken und Raiffeisenbanken für eine verstärkte Nutzung des mobilen Bankings unter ihren Kunden sorgen. it-finanzmagazin.de +++ 90 Prozent zahlen kontaktlos: Zwar wird die Quote noch nicht auf breiter Basis gehalten, doch haben neun von zehn der Befragten angegeben, von Juli bis September zumindest einmal kontaktlos gezahlt zu haben. Immerhin die Hälfte der Befragten zahlt mehrfach wöchentlich kontaktlos. it-finanzmagazin.de +++ Mambu jetzt bei führenden Anbietern: die Saas-Cloud-Banking-Plattform ist Partnerschaften mit drei großen Cloud-Services von Amazon, Google und Microsoft eingegangen. geldinstitute.de +++

 

Neue Finanzierungsrunden

+++ Trigo sammelt 100 Millionen Dollar: Das Start-up aus Israel will kassenlose Supermärkte vorantreiben. Laut Artikel ist kein geringeres Unternehmen als Amazon der Pacemaker der Branche und ein Unternehmen, dass die Supermärkte “amazonisiert” demnach ein folgerichtiges Investmentobjekt. techcrunch.com +++ Nochmal zehn Prozent mehr konnte Connexpay sammeln: 110 Mio. US-Dollar gab es für das US-Fintech, dass nach eigenen Angaben bereits nach fünf Jahren profitabel arbeitet. paymentandbanking.com +++

 

– Neue Podcast-Folgen –

+++ Tech und Trara kümmert sich eigentlich mehr um Technik an sich als um Fintechs im Speziellen. Doch kam eigens im Rahmen unserer Fintech Week eine Live-Fintech-Folge zustande. techundtrara.podigee.de +++ Bei She Speaks Finance geht es um Market-Timing, Investment-Trends und darum, warum Frauen sich laut Helen Windischbauer beim Vermögensaufbau mehr selbst im Blick haben sollten. dasinvestment.com +++ Apples Großangriff auf Payment-Branche: Im Finanz-Szene-Podcast ist Payment-Experte Dirk Brunke zu Gast. Brunke ordnet dabei die Bedeutung und die Payment-Strategie von Apple ein. podigee.io +++ Dirk Kruse verantwortet bei SAP Fioneer die Expansion von Software-Produkten in die Finanzbranche. Im Finance-Forward-Podcast spricht er über Startschwierigkeiten und sein Umsatzziel von 100 Millionen Euro. financefwd.podigee.io +++ In diesem Payment&Banking-Podcast geht es um die als Kampf der Philosophien bezeichnete Konkurrenz zwischen DeFi und CeFi, also Decentralized Finance und Centralized Finance. paymentandbanking.com +++

 

– News International –

EU will Instant-Payments: EU-weit sollen Echtzeit-Überweisungen verpflichtend werden. Dabei sollen die Gebühren maximal so hoch ausfallen, wie die der jeweils angebotenen SEPA-Überweisung. Bislang nutzen laut dem Verordnungsentwurf nur wenige die schnelle Technologie. Nur jede zehnte Euro-Überweisung sei im ersten Quartal in Echtzeit abgewickelt worden. Ein Drittel der EU-Zahlungsanbieter biete erst gar keine Echtzeit-Überweisungen an. Das soll sich nun ändern. Hierfür muss die Verordnung mit Mitgliedstaaten und EU-Parlament abgestimmt werden. it-finanzmagazin.de, handelsblatt.com

Bunq vs. Aufsicht: Die niederländische Neobank Bunq hat einen Rechtsstreit gegen die eigene Aufsichtsbehörde DNB gewonnen. Laut Artikel handelt es sich um ein sensationelles Urteil, da es wohl das erste Mal sei, dass eine niederländische Bank die Aufsichtsbehörde auf grundlegender Basis verklage. Bunq ging es darum, moderne Methoden wie KI gegen Geldwäsche einzusetzen. it-finanzmagazin.de

Visa und Mastercard steigern Gewinne: Gute Nachrichten für die beiden Kreditkarten-Konzerne. Bei beiden schien im dritten Quartal noch nicht viel von der Kaufzurückhaltung der Kunden angekommen zu sein. Laut Mastercard sei auch die sich weiter erholende Reise-Branche ein Grund für den Aufwärtstrend. Einen Wermutstropfen scheint es aber dennoch zu geben. Zumindest bei Visa ebbte das Wachstum des insgesamt abgewickelten Zahlungsvolumens etwas ab. cash.ch, handelsblatt.com

 

Über den Tellerrand: Tech-Giant-News für die Finanzbranche

Versicherungsmakler Amazon: Die gesamte Palette aus dem Nicht-Leben-Bereich. So nennt der Artikel das, was der Internet-Versand-Riese nach einer Registrierung in Luxemburg nun auch in Deutschland vertreiben darf. Damit setzt Amazon eine Strategie fort, mit der es seit einigen Jahren nach und nach in die Versicherungsbranche vorgedrungen ist. dasinvestment.com

 

– Treffpunkte –

Fintech Ladies Hamburg@Exporo: Wir sind Medienpartner dieses Events, bei dem der Impulsvortrag sich der Location angemessen um Frauen und Immobilieninvestments dreht. 16. November, Hamburg.

Transactions 22: Payment, Banking, Digitalisierung und Plattformökonomie. Dieser Titel lässt nicht viel Interpretationsspielraum, worum es bei der Transactions geht. Als Speaker treten unter anderem Jule und Sascha Lobo sowie die ZEIT-US-Korrespondentin Heike Buchter auf. 17.November, Offenbach

FinTech Austria Meetup 2022: Nach einer Eröffnungsrede durch einen Vertreter der Wirtschaftsagentur Wien sollen Vorträge zum Thema Payment folgen, unter anderem durch Vertreter von PAIR Finance und Microsoft. 17. November, Wien

Mehr Veranstaltungen zu Fintech findet ihr im Event-Kalender auf finletter.de. Hier könnt ihr uns Tipps für Events geben.

 

– Wochenendlektüre –

Krasse Konsolidierung: Mit dieser Alliteration stellt Upvest-Gründer Martin Kassing im „FAZ”-Interview klar, was er von der Finanz-Branche in Zukunft erwartet. Aus ein paar Tausend Fintechs würden demnach nach Art der Bestenauslese ein paar Hundert werden. faz.net

KI-Aussichten: Im Grunde ist es eine alte philosophische Frage, ob Künstliche Intelligenz Fluch oder Segen bringt. In diesem Spannungsfeld bewegt sich dieser Artikel des „Business Insider”. Dabei zeigt der Artikel einige spannende Beispiele auf, was KI mittlerweile bereits in anschaulicher Praxis zu leisten im Stande ist. businessinsider.de

Gamechanger Digitales Wertpapier: Ob diese verkürzte Arbeitshypothese aufgeht, will der Autor dieses Artikels klären. Auch in einem begleitenden Video erklärt er im verfilmten Kommentar, warum digitale Wertpapiere seiner Meinung nach tatsächlich zum Gamechanger für Blockchain-Protokolle oder den DeFi-Sektor werden können. btc-echo.de

Daten für Nachhaltigkeit: Finanzdienstleister haben das Thema Nachhaltigkeit für sich entdeckt oder aber betonen dies zumindest sehr gerne. Dabei ist es gar nicht leicht, zu eruieren, wann und wodurch ein Unternehmen wirklich nachhaltig wirkt. Cloud-Technik und ein intelligenter Umgang mit zur Verfügung stehenden Daten, soll dem Artikel nach hierbei helfen. der-bank-blog.de

Explore new visions in banking. Auf unserer Plattform Banking.Vision präsentieren wir Ihnen regelmäßig aktuelle Themen, Trends und Innovationen der Branche Banking. Kostenlos registrieren und von exklusiven Inhalten profitieren! https://banking.vision [gesponsert]

 

– Das Beste zum Schluss –

Wahrnehmung der Geschlechter: In der neuen P&B-Serie „Formel Female: Fintech-Frauen am Steuer” geht es zum Auftakt darum, wie unterschiedlich Männer und Frauen wahrgenommen werden. Dabei klärt die Moderatorin gleich zu Beginn, dass nicht nur Frauen, sondern generell alle Akteure der Branche zur Zielgruppe des Podcasts gehören. paymentandbanking.com

Autor:in

Abonnieren

finletter ist der unabhängige journalistische Fintech-Newsletter. Er erscheint immer freitags per E-Mail mit allen Neuigkeiten der Woche aus der deutschen Fintech-Szene.

Jetzt kostenlos abonnieren:

finletter quadrate