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finletter 365 – Robinhood entlässt Mitarbeiter, Blackrock kooperiert mit Coinbase, Traxpay bekommt neuen CEO

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    Thomas Wunder ist freier Journalist mit Fokus auf Finanz- und Wirtschaftsthemen.

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Und jetzt ihr:

Kennt ihr bereits Deutschlands größte und vielseitigste Fintech-Veranstaltung? Die Fintech Week veranstalten wir das nächste Mal vom 26.–30. September 2022.

Die Neobroker nach dem Aktien-Hype

Robinhood reduziert seine Belegschaft noch einmal um 23 Prozent, das bestätigte das Unternehmen Anfang der Woche. Bereits im April trennte sich der amerikanische Neobroker von rund zehn Prozent seiner Angestellten. Gründer und CEO Vlad Tenev schrieb in einem Blogbeitrag, dass alle Unternehmensbereiche betroffen wären, hauptsächlich aber Marketing, Programm-Management und Operations. Tenev erklärt die großangelegte Entlassungsrunde damit, dass man 2021 zu viele Mitarbeiter eingestellt habe. Angesichts der hohen Inflation und des Krypto-Crashs sei das jetzt nicht mehr angemessen.

Robinhood ist aber nicht das einzige Unternehmen, das in den letzten Monaten Angestellte vor die Türe gesetzt hat. Auch in Europa haben zahlreiche Fintechs mit Entlassungen auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten reagiert. Wird die Entlassungswelle auch dieses Mal nach Europa überschwappen? Schließlich ist Robinhood in vielerlei Hinsicht Vorbild für deutsche Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital.

Finanziell steht Trade Republic auf den ersten Blick gut da: Erst im Juni warb das Berliner Unternehmen 250 Millionen Euro ein, die Bewertung erhöhte sich so auf fünf Milliarden Euro. Das US-Vorbild erreicht derzeit eine Marktkapitalisierung von etwa neun Milliarden Euro. Allerdings ist es schwer, die beiden Unternehmen miteinander zu vergleichen. Als Aktiengesellschaft veröffentlicht Robinhood regelmäßig belastbare Zahlen, Trade Republic tut das nicht. Eigenen Angaben zufolge verwaltet Robinhood rund 22,9 Millionen Konten und 64 Milliarden Dollar. Trade Republic spricht von „Millionen Kunden in Europa“. Schätzungen gehen von zwei bis drei Millionen aus, die rund sechs Milliarden Euro über den Broker investiert haben. Trade Republic beschäftigt rund 700 Angestellte, Robinhood nach der neuesten Entlassungsrunde noch etwa 2.400. Diese Zahlen sprechen dafür, dass es bei Trade Republic durchaus Verschlankungspotential gibt. Übrigens: Kurz nach der Kapitalerhöhung entließ auch Trade Republic einen Teil seiner Belegschaft, genaue Zahlen sind auch hier nicht bekannt. Auch andere deutsche Neobroker erzielen mit vergleichsweise viel Personal nicht dieselben Erfolge wie Robinhood: Scalable Capital beispielsweise nahm im Geschäftsjahr 2020 12,9 Millionen Euro Provisionserlöse ein, Robinhood im selben Zeitraum 720 Millionen. Robinhood benötigte dafür 700, Scalable 140 Angestellte.

Hier muss man auch bedenken, dass das Geschäft der Neobroker nicht leichter wird. 2020 und 2021 waren Boom-Jahre an den Börsen, zahlreiche, vor allem junge Menschen begannen damit, ihr Geld an den Finanzmärkten zu investieren. Selbst einschneidende Ereignisse wie die Coronapandemie taten dem Hype keinen Abbruch. Das hat sich jetzt geändert: Der Ukrainekrieg, die Spannungen in China, die hohe Inflation und die geldpolitischen Maßnahmen der Fed und der EZB – das Interesse an spekulativen Anlageklassen schwindet. Selbst die Sparkassen beobachten bundesweit einen Rückgang der neuen Spareinlagen. Die gestiegenen Lebenshaltungskosten scheinen die Einkommen fast vollständig aufzufressen, fürs Sparen bleibt nichts übrig. Sollte sich dieses Problem verschärfen, werden das auch Trade Republic und Scalable Capital zu spüren bekommen. Diese Broker leben aber davon, dass Anleger handeln, Verwahrentgelte werden nicht erhoben. Den Löwenanteil der Gebühren tragen dabei aber nicht die Aktienkäufer, sondern die Handelspartner, die den Broker für die Vermittlung entlohnen. Eine Praxis, die die Europäische Union unterbinden will. Traditionell haben die meisten Deutschen zudem eine eher kritische Haltung gegenüber Aktien, Scalable & Co. müssen sich also in einem schwierigeren Heimatmarkt zurechtfinden als die amerikanische Konkurrenz.

Das alles bedeutet natürlich nicht, dass die deutschen Neobroker vor dem Aus stehen, Entlassungen sind aber definitiv nicht ausgeschlossen. Auch Fusionen und Akquisitionen sind denkbar. Werden die deutschen Anbieter gegen die Konkurrenz aus dem Ausland bestehen können? Bei den Neobanken gab es in den letzten Wochen bereits verschiedene Übernahmen, zuletzt hat die dänische Ageras Group Kontist übernommen.

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Female Fintech Friends: Call for Participation für die Fintech Week
Du beschäftigst dich mit dem Themenkomplex Female Fintech? Zum Beispiel als Produktmanager, der über spezielle Finanzprodukte für Frauen nachdenkt? Oder als Gründerin, der das Thema Female Leadership am Herzen liegt? Wir suchen noch Ideen für den Female Fintech Day während der Fintech Week 2022 am 28. September. Hier geht’s zum Call for Participation!


– Fintech-News Deutschland –

60 Millionen für IDnow: Das Münchner KYC-Plattform IDnow sichert sich neues Kapital: 60 Millionen Euro in Form einer Kreditfinanzierung aus Fonds der Vermögensverwaltung Blackrock. businessinsider.de

Konsequent nachhaltig: Der Kreditversicherer Allianz Trade erhält für die konsequente Umsetzung seiner ESG-Strategie die Ecovadis-Zertifizierung in Silber und die erste Stufe der EDGE-Zertifizierung. Das Ziel sei aber weiterhin die Gold-Zertifizierung, betonte Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. zebramagazin.de

Auch wichtig:

+++ Allein in der letzten Woche ist der Bargeldumlauf in Deutschland um über sechs Milliarden Euro rückläufig. barkowconsulting.com +++ Apple Pay kann jetzt auch mit VR-Kreditkarten für Geschäftskonten genutzt werden. Die Funktion war zuvor lediglich für Privatkunden verfügbar. it-finanzmagazin.de +++ Die DKB hat in Zusammenarbeit mit dem NKI – Institut für nachhaltige Kapitalanlagen eine Studie zum Umgang von Privatanlegern mit nachhaltigen Geldanlagen erstellt. Die Nachfrage nach derartigen Produkten hat sich seit 2017 verfünffacht. zebramagazin.de +++

 


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GOLDILOCKS-Sonderausgabe zu DLT
Ist Distributed Ledger Technologie Hype oder Heilsbringer? Gemeinsam mit spannenden Gastautor:innen gehen Sparkassen Innovation Hub und finletter der Frage auf die Spur. Die Antworten könnt ihr jetzt in der GOLDILOCKS-Sonderausgabe lesen: direkt online oder über die kostenlose App (iOS | Android).


– Neue Podcast-Folgen –

Payment & Banking diksutiert mit Ingo Blum (Aye4fin) über die Zukunft klassischer Payment Service Provider. paymentandbanking.com +++ Finance FWD hat Nilaxsa Yoganathan zu Gast. Die 8Returns-Gründerin erzählt von ihrem Weg in die Fintech-Welt. financefwd.com +++ Dr. Eberhard Schnebel (Commerzbank) ist beim Podcast Durch die Bank zu Gast. Der promovierter Wirtschaftsethiker erklärt, welche Rolle Digitale Ethik für Banken spielt. bv-events.de +++ Startup Insider spricht mit Christopher Plantener (Gründer und Co-CEO von Kontist) über die Übernahme durch die Ageras Group. apple.co +++

 

– News International –

Kryptos für institutionelle Anleger: Der Vermögensverwalter Blackrock arbeitet zukünftig mit Coinbase zusammen, um auf der Handelsplattform Aladdin, die sich an institutionelle Anleger richtet, Bitcoins anbieten zu können. Andere Kryptowährungen werden nicht angeboten. finanzen.ch

Neue Token: Mehr Auswahl gibt es bei Revolut. Die Londoner Neobank erweitert ihr Krypto-Angebot um 22 Token. Darunter der Metaversum-Token APE, die Defi-Token ETC und REQ und zahlreiche andere Coins wie AVAX, SPELL oder DASH. finextra.com

Yapily startet neuen Service: Yapily bietet mit Virtual Accounts einen neuen Service. Händler und Zahlungsdienstleister können damit mehrere Konten erstellen, um den Geldfluss zu optimieren. Die Zahlungsplattform Findexiq wird der erste Kunde sein, der das neue Produkt integriert. crowdfundinsider.com

 

Über den Tellerrand: Tech-Giant-News für die Finanzbranche

Google investiert in Twid: Google hat in einer von Rakuten Capital angeführten Series-A-Finanzierungsrunde zwölf Millionen Dollar in die indische Bezahlplattform Twid investiert. Der Tech-Giganten baut damit seine Stellung im südasiatischen Fintech-Markt aus. techobserver.in

 

Personalmeldungen

+++ Dr. Susanne Wruck kommt als neue COO zu Pair Finance. Zuvor war die promovierte Ökonomin als Senior Vice President Fulfillment bei Flaconi tätig. Der bisherige COO, Fabian Platzen, wechselt auf den Posten des CFO. Pressemitteilung +++ Markus Rupprecht, Gründer und langjähriger CEO des Frankfurter Fintechs Traxpay, wechselt vom operativen Geschäft in den Beirat. Seinen Posten übernimmt Markus Wohlgeschaffen. Pressemitteilung +++ Nicola Breyer hat zum 1. August den Posten des CEO bei Finleap Connect übernommen und damit Frank Kebsch ersetzt. Breyer war zuvor als Chief Growth Officer beim Finanztechnologie-Dienstleister Optiopay tätig. geldinstitute.de +++

 

– Treffpunkte –

Fintogether Venture Day 2022: Auf dem fintogether Venture Day präsentieren verschiedene Fintech-Start-ups ihre Geschäftsideen vor einer Fachjury. Begleitend gibt es verschiedene Vorträge zur Zukunft der Finanzwirtschaft. 22. September, Stuttgart

Bankengipfel: Das Flaggschiff der Handelsblatt-Finanz-Events findet dieses Jahr wieder vor Ort statt. finletter ist wie immer Medienpartner. 7.–8. September, Frankfurt und digital

Mehr Veranstaltungen zu Fintech findet ihr im Event-Kalender auf finletter.de. Hier könnt ihr uns Tipps für Events geben.

 

– Wochenendlektüre –

Krisensicheres Versicherungsgeschäft: Finance FWD hat sich mit der Job-Situation bei deutschen Insurtechs beschäftigt. Im Gegensatz zu den Fintechs sind die jungen Versicherungsunternehmen weiterhin auf Wachstumskurs. financefwd.com

Gegen die Dollar-Dominanz: Die Staatengruppe BRICS will ein Gegengewicht zur westlich dominierten Weltordnung bilden. Um diesem Ziel näherzukommen, wollen Brasilien, Russland, China, Indien und Südafrika eine eigene Leitwährung etablieren und so die Dominanz des Dollars brechen. pressenza.com

Geld verdienen mit APIs: Premium-APIs, die über die PSD2-Anforderungen hinausgehen, sind eine interessante Einnahmequelle für Banken. In Deutschland bieten bisher nur wenige Institute derartige Schnittstellen an. der-bank-blog.de

 

– Das Beste zum Schluss –

Digitales Geld und teure Uhren: Krypto-Spekulanten scheinen auch ein Herz für Luxusuhren zu haben. Nach dem Krypto-Crash sind auch die Preise für Sammlerstücke von Patek Philippe und Co. zurückgegangen. finews.ch

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